Kulturdenkmäler und Naturschönheiten

Reichtum und Armut, Moderne und Tradition, Pracht und Askese, Stille und Chaos – Indien gilt als Land der Gegensätze. Wer den Subkontinent besucht, ist fasziniert von der Lebensfreude der Menschen, dem im Alltag fest verankerten Glauben, den Ritualen und Traditionen, dem Rausch an Farben und Gerüchen.

Bevölkerung

Circa 2,1 Millionen

Bundesstaat

Gujarat (circa 67 Millionen Einwohner)

Fluss

Vadodara liegt am Fluss Vishwamitri. In dem 25 Kilometer langen Abschnitt, der durch Vadodara fließt, leben circa 100 Krokodile.

Geschichte

Die Ersterwähnung Vadodaras datiert aus dem Jahr 812 v. Chr. Der Ort wurde mehrfach um­benannt. Grob lässt sich seine Geschichte in eine hinduistische Periode bis 1300, ein muslimisches Delhi-Sultanat bis 1400, ein unabhängiges Gujarat-Sultanat bis 1570, ein Mogulreich bis 1720 und eine Maharadscha-Periode bis zur Unabhängigkeit 1947 unterteilen. In der Maharadscha-Periode trug Vadodara den Namen Baroda und war ein unabhängiges Fürstentum, das von 1820 bis 1947 unter britischem Protektorat stand. Durch den Rückzug der Briten aus Indien 1947 wurde Baroda zunächst unabhängig, 1949 erfolgte der Anschluss an Indien und die Eingliederung in den Bundesstaat Bombay. 1956 wurden alle indischen Fürstentümer aufgehoben, seit 1960 gehört Baroda zum Bundesstaat Gujarat. Seit 1971 heißt die Stadt wieder Vadodara.

Der Nordwesten Indiens zählt nicht unbedingt zu den touristischen Hotspots. Menschen, die dieses Reiseziel wählen, sind jedoch begeistert von den sehenswerten Städten, den herausragenden Kulturdenkmälern und den beeindruckenden Naturschönheiten. Seit Anfang der 1990er-Jahre, als die Liberalisierung der Wirtschaft in Indien einsetzte, haben sich auch zahlreiche ausländische Unternehmen hier niedergelassen, darunter einige deutsche Firmen. Zu den aufstrebenden und stark expandierenden Industrie- und Dienstleistungszentren des Bundesstaats Gujarat gehört Vadodara, wo Röchling Industrial im Industriegebiet Savli 2014 seinen ersten Produktionsstandort für thermoplastische Kunststoffhalbzeuge in Indien eröffnete.

Industrie und Tourismus
Die Stadt mit ihren 2,1 Millionen Einwohnern ist ein Zentrum der erdölverarbeitenden Industrie mit einer großen Raffinerie im Norden. Weitere Schwerpunkte sind die pharmazeutische und chemische Produktion sowie die Metallverarbeitung. Auch touristisch lohnt ein Besuch Vadodaras, der drittgrößten Stadt Gujarats. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der von Stadttoren umfassten Altstadt gehört der Lakshmi-Vilas-Palast. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts im indo-sarazenischen Stil von Maharadscha Sayajirao III. erbaut und ist viermal so groß wie der Buckingham Palace in London. Die Regentschaft des Maharadschas von 1881 bis 1939 wird auch als „Goldene Periode“ bezeichnet. In dieser Zeit erfolgte unter anderem der Anschluss an das Elektrizitätsnetz, die Mechanisierung der Fabriken, eine umfassende Land- und Agrarreform, der Ausbau des regionalen Schienennetzes sowie die Einführung der Prohibition. Bis heute sind alkoholische Getränke in Gujarat
verboten.

Das verschachtelte Palastensemble in Vadodara gilt unter indischen Kunsthistorikern als einer der prachtvollsten Maharadscha-Paläste des Landes. Teile der herrschaftlichen Anlage beherbergen heute ein Luxushotel – auf diese Weise versuchen viele Familien des ehemaligen indischen Hochadels, ihre kostspieligen Paläste zu erhalten. In der früheren Schule des Palastes, in der die Kinder des Maharadschas unterrichtet wurden, ist das kleine, aber feine Maharaja-Fateh-Singh-Museum untergebracht. Ausgestellt wird eine große Anzahl von Kunstwerken der königlichen Familie. Zu den wichtigsten gehören die Gemälde von europäischen und indischen Künstlern, darunter eine Sammlung von Porträts der königlichen Familie, gemalt von Raja Ravi Varma. Besonders bekannt ist das Museum für Werke europäischer Renaissancekünstler, wie Raffael, Tizian, Murillo und Rembrandt.

30 Meter hohe Shiva-Statue
Sehenswert in Vadodara sind unter anderem auch die Gebäude das Obersten Gerichts Nyay Mandir und der Maharaja Sayajirao University of Baroda. Sie ist die einzige englischsprachige Universität Gujarats, derzeit studieren dort mehr als 100.000 Studenten. In der Altstadt liegt auch der Sursagar-See, in dessen Mitte eine 30 Meter hohe Statue der Hindugottheit Shiva mit traditionellem Dreizack steht.

Von Vadodara aus sind es knapp 50 Kilometer in nordöstlicher Richtung zur historischen Stadt Champaner. In der Nähe des 800 Meter hohen Bergs Pavagadh, auf den eine Seilbahn führt, liegen die archäologisch größtenteils noch unerschlossenen Ruinen, die seit 2004 Unesco-Weltkulturerbe sind. Zum Komplex des archäologischen Parks gehört auch der Hindutempel Kalikamata aus dem 11. Jahrhundert sowie die Jami-Masjid-Moschee, die am Pavagadh-Hügel liegt und zu den schönsten Bauwerken im Bundesstaat Gujarat zählt.

Gujarats alte Hauptstadt ist Ahmadabad, etwa 120 Kilometer von Champaner entfernt. Die 5,7-Millionen-Einwohner-Metropole ist heute das wirtschaftliche Zentrum des Bundesstaates und die sechstgrößte Stadt Indiens. Europäische Reisende, die Ende des 17. Jahrhunderts Ahmadabad besuchten, schwärmten von seiner außergewöhnlichen Pracht. Auch wenn in der einstigen Residenzstadt hinduistischer und moslemischer Monarchen der große Glanz verblasst ist, hat die Altstadt mit ihren Bazaren, den alten verfallenen Wohnvierteln und engen Gassen, den Moscheen, Hindutempeln und Palästen immer noch große Anziehungskraft.

Bewegliche Minarette
Im alten Zentrum, umtost vom Großstadtverkehr, liegt die kleine Sidi-Sayid-Moschee mit ihren filigran gearbeiteten Gitterfenstern. Nicht weit davon entfernt steht die Privatmoschee von Sultan Ahmad Shah, dem Namensgeber der Stadt. Eine architektonische Meisterleistung sind die „beweglichen Minarette“ der Sidi-Bashir-Moschee aus dem 15. Jahrhundert. Bei leichten Erschütterungen geraten die Türme in Schwingungen. So sollten sie Erdbeben besser standhalten.

Ahmadabad gilt als Zentrum des Handwerks und des Handels. Die Stadt und der gesamte Bundesstaat Gujarat sind seit jeher für wertvolle Stoffe, malerische Trachten, raffinierte Färbetechniken, Spiegel- und Brokatstickereien sowie Samtwebereien bekannt. Schon in der Antike waren die Stoffe bei griechischen und römischen Händlern begehrt. Das Calico-Museum vermittelt einen Einblick in diese Handwerkskünste.

Etwas außerhalb von Ahmadabad am Sabarmati-Fluss gründete Mahatma Gandhi, der aus Gujarat stammte, 1914 seinen ersten Ashram. Von dort aus begann er seinen gewaltfreien Kampf für einen souveränen indischen Staat. Gandhi forderte die Menschenrechte für Unberührbare und Frauen ein, strebte die Versöhnung zwischen Hindus und Moslems an und kämpfte für ein neues, autarkes, von der bäuerlichen Lebensweise geprägtes Wirtschaftssystem. Der Ashram am Sabarmati wurde berühmt, weil Gandhi dort 1930 zu seinem „Salzmarsch“ aufbrach, der ihn zum knapp 400 Kilometer entfernten Golf von Gujarat führte. Es war ein Protest gegen das Salzmonopol der britischen Regierung. Die hohen Steuern auf das Salz hatten dazu geführt, dass es sich die Armen kaum noch leisten konnten. Gandhi zog mit 81 Gefolgsleuten los, als sie nach 24 Tagen das Arabische Meer erreichten, waren es 90.000 Menschen. Die Gebäude des Ashrams am Sabarmati, in denen Gandhi damals mit seiner Frau und einer kleinen Gefolgschaft lebte und lehrte, sind heute Pilgerstätten für Touristen aus aller Welt.

Vom Urwald bis zur Halbwüste
Die Besucher zieht es aber auch wegen der Landschaft, der Flora und Fauna nach Gujarat, dem westlichsten Bundesstaat Indiens. Der Gir-Nationalpark beispielsweise ist Heimat der letzten 400 Asiatischen Löwen in freier Wildbahn. Die klimatischen Verhältnisse in Gujarat sind sehr unterschiedlich. Der Süden ist von tropischem und feuchtem Urwald geprägt, im Norden dominieren trockene Halbwüste und durstiges Buschland. Der circa 1.600 Kilometer lange Küstenstreifen entlang des Arabischen Meers wartet mit den angenehmsten Temperaturen auf.

Von Ahmadabad ist es nicht allzu weit zum Rann von Kachchh, wo der Reisende in eine andere Welt eintaucht. Das Wort „Rann“ ist aus dem Hindi entlehnt und bedeutet Salzsumpf. In der trockenen und heißen Umgebung gedeihen nur wenige Pflanzen, vor allem Gräser und Dornbüsche. Auch einige Tiere haben sich angepasst: Für den seltenen, auch als Indischen Halbesel bekannten Khur ist der Rann von Kachchh eines der letzten Rückzugsgebiete in Indien. Die Gegend ist außerdem Heimat von Indischen Gazellen, Nilgauantilopen, Wölfen, Streifenhyänen, der Steppenkatze und dem Wüstenluchs. Ganz im Norden, an der Grenze zu Pakistan, wird die Region während der Monsunzeit zu einem riesigen Sumpf, der dann eines der größten Naturschutzgebiete für die Vogelwelt auf dem indischen Subkontinent ist: vorübergehende Heimat Tausender Flamingos, Reiher und Kraniche. Teile des Gebietes stehen unter Naturschutz. So sollen die Tierarten und Naturschätze Indiens auch für folgende Generationen bewahrt werden.

Röchling in India

Mit der Gründung eines Vertriebsbüros in Mumbai machte Röchling 1998 den ersten Schritt in den indischen Markt. Im Jahr 2003 erhielt das Unternehmen dann von der indischen Regierung die Zulassung für Direktinvestitionen im Land. 2007 richtete Röchling daher in Vasai, in der Nähe von Mumbai, einen modernen Zerspanungsbetrieb für die CNC-Bearbeitung von Lignostone® ein, einem holzbasierten Hochleistungswerkstoff für Isolationsbauteile in Hochspannungstransformatoren. 2010 weitete man diese Aktivitäten auf die Bearbeitung thermoplastischer Kunststoffe nach Kundenzeichnung aus.

Ende 2012 begann Röchling auf einem 35.000 Quadratmeter großen Grundstück im Industriegebiet GIDC Savli in Vadodara mit dem Bau eines Produktionsbetriebs für thermoplastische Kunststoffe. Es wurden moderne Maschinen aus Deutschland importiert und installiert. Seit 2013 produziert Röchling dort gepresste Platten und extrudierte Profile aus ultrahochmolekularem Polyethylen (PE-UHMW) sowie Platten und Rundstäbe aus Polyacetal (POM) und Polyamid (PA6). Der Standort hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt und die Jahresproduktion thermoplastischer Kunststoffhalbzeuge kontinuierlich erhöht. Eine eigene Zerspanung stellt präzise bearbeitete Komponenten aus Kunststoff für Industriekunden in Indien her. Röchling Industrial in Indien beschäftigt 65 Mitarbeiter und sorgt indirekt für Beschäftigung in Vadodara und der Region Vasai. „Der indische Markt für unsere technischen Kunststoffe wächst weiterhin stark und bietet für uns als Verarbeiter auch in Zukunft ein großes Potenzial“, sagt Manoj Kumar, Geschäftsführer von Röchling Industrial in Indien.

 
 

Christiane Müller
Freelance Journalist
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