AUTOMOTIVE
Aerodynamics 

Aerodynamisch aufgerollt

Als erster Entwickler aktiver Luftklappensysteme und als Weltmarktführer in diesem Bereich verfügt Röchling Automotive über ein breites Wissen in Sachen Aerodynamik. Neben individuellem Design steht dabei die Funktion im Vordergrund: Luftwiderstand wird verringert, Emissionen werden gesenkt. Die Aerodynamikexperten von Röchling Automotive ruhen sich aber nicht auf ihrem erfolgreichen Luftklappensystem aus, sondern suchen stetig nach alternativen Lösungen, die den bekannten Active Grille Shuttern in keiner Weise nachstehen.

Raffiniert im Detail
In einer sehr kurzen Entwicklungszeit ist nun eine neue Idee entstanden, entsprungen aus dem Alltag. Sie erscheint simpel, ist aber raffiniert im Detail. Vorbild ist das Rollo, das an vielen Fenstern für Sicht- und Sonnenschutz sorgt. Für die Entwickler von Röchling Automotive ging es um die Art und Weise, wie ein Rollo herunterzulassen und hochzuziehen ist. Bei der Fahrzeugaerodynamik ist es das Ziel, die Luft im und ums Auto herum bedarfsgerecht zu steuern. Warum dafür keine aktive Luftblende anstelle eines Luftklappensystems verwenden? Die Idee einer Active Air Blind war geboren.

Die Active Air Blind besteht aus einem Aufnahmerahmen, der als Systemträger dient und sämtliche Komponenten der Luftblende aufnimmt. Über eine im Rahmen gelagerte Wickelwelle mit integrierter Seilführung und angeflanschter Aktuatorik wird ein technisches Textil nach oben und unten bewegt. Im vollständig geschlossenen Zustand wird die Luftströmung im Fahrbetrieb frühzeitig um das Fahrzeug herumgelenkt, um den Luftwiderstand zu verringern. Kraftstoff- und Emissionsreduktion sind die Folge. Die auftretenden Windlasten auf das heruntergefahrene technische Textil werden über eine Stützstruktur an den Aufnahmerahmen abgegeben, der die Lasten aufnimmt.

Das technische Textil hält einer Maximalgewichtsbelastung von 65 Kilogramm stand.

Zwischen minus 40 Grad und plus 100 Grad Celsius bleibt die Tuchfläche wickelfähig.

Das technische Textil kann mit einer schimmelabweisenden Beschichtung versehen werden, um Geruchsbelästigungen zu vermeiden.

„Sobald das Fahrzeug und dessen Aggregate einen Wärmetauschbedarf anzeigen und beispielsweise die Klimaanlage oder die Kühlaggregate Wärme abführen müssen, sendet die zentrale Fahrzeugsteuerung einen Befehl an die Luftblende, sich teilweise beziehungsweise vollständig zu öffnen. Damit erreichen wir einen effizienteren Fahrbetrieb“, berichtet Peter Dill, Head of Product Line Aerodynamics & Encapsulation Systems.

Funktionale Modularität
Das modulare System weist trotz aller technischen Raffinessen eine Tiefe von nur 16 Millimetern auf und benötigt daher erstaunlich wenig Bauraum. Es kann also variabel eingebaut werden. Gleiches gilt für die Bewegungen, die von oben nach unten beziehungsweise von links nach rechts umsetzbar sind. Weitere Pluspunkte der Luftblende sind zum einen die sehr geringe Leckage aufgrund des vollflächigen Textils und zum anderen das geringe Gewicht.

Karsten Grebel, System Developer for Innovation & Product Ideas, ist vor allem von der Strapazierfähigkeit des Materials begeistert: „Das technische Textil hält nicht nur einer Maximalgewichtsbelastung von 65 Kilogramm auf die Tuchfläche stand, sondern ist auch dauerhaft zwischen minus 40 Grad und plus 100 Grad Celsius wickelfähig und dehnt beziehungsweise kürzt sich in dem angegebenen Temperaturfenster sehr wenig. Doch selbst für den Fall der Fälle haben wir bereits eine Lösung, die einen möglichen Dehnungs- und Kürzungsausgleich vollzieht.“

Damit nicht genug. Auch an Verunreinigungen, die durch den Luftstrom an einem Rollo abgelagert werden können, haben die Entwickler gedacht. Insektenrückstände könnten beispielsweise gepaart mit Luftfeuchtigkeit zu einer Schimmelbildung führen. Wäre die Luftblende an der Luftführung in den Fahrgastraum beteiligt, könnte es zu Geruchsbelästigungen kommen. Um all dies zu verhindern, kann das technische Textil mit einer schimmelabweisenden Beschichtung versehen werden, ohne dass sich die technischen Eigenschaften der Blende, wie etwa ihr Aufrollverhalten, verschlechtern. „Wir sind optimistisch, dass die hochfunktionale, modulare Luftblende bald zum Serieneinsatz kommt“, verweist Dill auf das bereits große Interesse einzelner Automobilhersteller.

 
 

Peter Dill
Röchling Automotive
Head of Product Line Aerodynamics & Encapsulation Systems
Phone: +49 6241 844-588
peter.dill@roechling-automotive.de

Photos © Bocos Benedict – fotolia.com, Röchling