Durch unbekanntes Land

Studierende aus Nicht-Akademikerfamilien brauchen viel Mut – und Hilfe nach Maß

Es klingt fast wie ein Naturgesetz: Kinder von nicht studierten Eltern haben an deutschen Hochschulen wenig Chancen. Und tatsächlich: Während 79 von 100 Kindern aus Akademikerfamilien ein Hochschulstudium aufnehmen, schaffen das aus Nicht-Akademiker­familien gerade einmal 27 Prozent. Vom Weg der eigenen Eltern abweichen, aufbrechen, Stigmata überwinden – das verlangt mehr als Intelligenz und Begabung. Es braucht, ja, Mut.

Can Canatti hat ihn bewiesen. Der junge Mann mit türkischen Wurzeln studiert Mechatronik in Hannover. Er erinnert sich an einen holprigen Start, an fehlende familiäre Hilfe beim Umzug in die neue Stadt und an finanzielle Probleme, die ihn häufiger zum Job ins Schnellrestaurant führten als in den Hörsaal. Hilfe fand er im Tandem-Programm der Deutschen Universitätsstiftung. Tandem-Stipendien ermöglichen es, dass Studierende wie Can auf ihrem schwierigen Weg von Hochschullehrern persönlich begleitet werden. Sie bekommen einen Dozenten als Mentor. Dazu gibt es Seminare und Workshops, beispielsweise zum Thema Lern- und Selbstmanagement.

„Ohne das Tandem-Stipendium würde ich heute nicht mehr studieren“, ist sich Can Canatti sicher. „Die fachliche Unterstützung durch meinen Mentor bereichert mein Studium sehr. Noch ­wichtiger war es zeitweise aber, dass mein Mentor mir guten Rat geben konnte und die richtigen Türen ­öffnete. So half er mir, mein Studium und meinen Lebensunterhalt unter einen Hut zu bringen.“

„Mut gehört nicht nur belohnt, er verdient auch eine wirksame Unterstützung“, findet Michael Röchling. Er ist Mitglied im Kuratorium der Röchling Stiftung und als Projektpate für die Zusammen­arbeit mit der Deutschen Universitätsstiftung zuständig. Die Röchling Stiftung hat das Tandem-­Stipendium für Can Canatti finanziert und mehrere andere Stipendiaten unterstützt. Durch die partnerschaftliche Verbindung der Stiftung zu den Unternehmen der Röchling-Gruppe konnten zudem Praktika vermittelt werden.

In einem weiteren Programm namens „Welcome“ ermöglicht die Deutsche Universitätsstiftung geflüchteten jungen Menschen den Weg ins und durch das Studium. Auch diese Initiative hat die Röchling Stiftung unterstützt.

Can hat den vielbeschworenen Bildungsaufstieg geschafft. Dazu hat er unbekanntes Land betreten, sich in einem Dschungel orientiert, Halt gesucht und durchgehalten. Jetzt darf er schon an die nächsten Schritte denken. Nach Bachelor und Master will er sich selbstständig machen. „Zuhause arbeite ich viel mit meinem 3D-Drucker. Automation und Robotik faszinieren mich einfach“, sagt Can und blickt optimistisch in die Zukunft. Mut zahlt sich aus.