Unternehmensbereich Medical
Bericht 

Große Nähe unter Partnern

UNTERNEHMENSBEREICH MEDICAL:
Röchling und HS Design entwickeln bahnbrechendes Medikamentenabgabesystem

Kunststoffprodukte für die Medizin- und Pharmabranche entwickeln und herstellen – das ist die Kernkompetenz der Röchling-Unternehmen im Bereich Medical. Das Spektrum reicht von Präzisionskunststoffteilen bis zu hochwertigen Verpackungen. Damit der Kunde genau das bekommt, was er sucht, ist eine enge Kommunikation zwischen den Bereichen gefragt – über Standortgrenzen hinweg.

Genau so verhielt es sich im Fall von „Sympfiny“. Röchling Medical in Rochester, NY/USA, erhielt Mitte 2016 eine Anfrage des amerikanischen Unternehmens HS Design mit Sitz in Gladstone, NJ/USA. Bei ihm handelt es sich um ein nutzen­orientiertes Produktentwicklungsunternehmen, das innovative Design­lösungen für den medizinischen und pharmazeutischen Bereich anbietet. HS Design war auf der Suche nach einem Partner, um gemeinsam mit diesem an der Ausschreibung eines weltweit führenden Pharma­unternehmens teilzunehmen. Röchling Medical am Standort Rochester stellte umgehend den Kontakt zu seinen europäischen Schwesterfirmen her, die über das gesuchte Know-how verfügen.

Die Idee des Pharmaherstellers: Kinder, die keine bittere Arznei schlucken, sollen diese künftig in Form von multipartikularen Medikamenten erhalten. Dabei handelt es sich um winzige Kügelchen, etwa in der Größe von Salzkristallen. Diese Mikrokügelchen sind mehrschichtig, wobei die äußerste Schicht den Geschmack des eigentlichen Wirkstoffs neutralisiert, ohne dessen Wirkung zu beeinträchtigen.

Entwicklungspartner gesucht
Die Herausforderung: Wie lassen sich die multipartikularen Medikamente verpacken und zuhause einfach, zuverlässig und in exakter Dosierung über den Mund an Kinder verabreichen? HS Design hatte eine Reihe von Ideen und Designs, benötigte aber einen Entwicklungspartner, mit dem die Ideen weiterentwickelt und in ein funktionelles industrielles Design überführt werden konnten. Dieser Partner musste in der Lage sein, Prototypen- und Pilotteile zu erstellen und im Erfolgsfall das System auch in Großserie zu produzieren und zu vermarkten.

Die Lösung: Das System Sympfiny besteht aus einer Dose inklusive Deckel, in der sich das Medikament befindet. An die Dose lässt sich eine Oralspritze passgenau ankoppeln, wodurch zwei Ventile automatisch geöffnet und beim Abkoppeln wieder verschlossen werden. Mit dieser Spritze wird das Medikament aus der Dose entnommen und präzisedosiert in den Mund übergeben. Durch diese einfache Handhabung lassen sich die multipartikularen Medikamente genauso leicht, exakt und sicher verabreichen wie flüssige Medikamente.

Optimale Funktionalitäten
Was einfach klingt, ist in der Entwicklung und der Umsetzung ein hartes Stück Arbeit. Die technischen Herausforderungen begannen mit der neuartigen Substanz, mit der es bis dato wenig Erfahrung gab. Intensiv musste auch an der optimalen Funktionalität der Spritze zur Verabreichung des Medikaments und vor allem an der Verbindung zwischen Spritze und Dose gefeilt werden. Wie komplex das Projekt ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass mehr als 80 Unternehmen an der Ausschreibung teilnahmen, am Ende aber nur zwei Firmen mit ihren Vorschlägen für die weitere Entwicklung ausgewählt wurden.

„Das Projekt ist eine gemeinsame Teamarbeit der drei Standorte von Röchling Medical. Gefragt sind enger Austausch und große Nähe aller Beteiligten“, sagt Valérie Duval, Vertriebsleiterin bei Röchling Medical. Vor Projektbeginn galt es, Regeln zu definieren, Aufgaben zu verteilen und Verantwortlichkeiten festzulegen – Röchling-intern genauso wie in der Zusammenarbeit mit dem Entwicklungspartner HS Design. Valérie Duval spricht von einer Win-win-Situation, bei der Röchling sein Wissen und seine Expertise in Sachen Herstellung und Prozess-Know-how einbringe. Produziert wird an den Röchling-Standorten in Deutschland: Die Dose wird in Neuhaus am Rennweg hergestellt, Oralspritze und Verschluss werden in Brensbach im Spritzgussverfahren gefertigt und komplett montiert.

Röchling gelang es, innerhalb von nur acht Monaten ein System, das aus insgesamt zwölf Komponenten besteht, zu entwickeln und Vorserienteile zu fertigen. „Dabei kam uns auch zugute, dass wir unsere Werkzeuge selbst herstellen können“, erläutert Duval, der das Thema Kunststoff von Kindheit an vertraut ist: Ihr Großvater, ein Apfelbauer in der Normandie, investierte in den 1960er-Jahren in ein Unternehmen, das Kunststoffteller für Kinder produzierte – damals eine extrem innovative Angelegenheit. Seit 29 Jahren ist Duval in der Kunststoffbranche tätig und hat sich auf Primärverpackungen und Medikamenten-Verabreichungssysteme für die pharmazeutische Industrie spezialisiert. Als Nächstes starten die klinischen Versuche mit Sympfiny. Eines weiß die 52-Jährige aus Erfahrung genau: „In der Pharmaindustrie ist es ein langes Rennen. Da muss man Geduld mitbringen und Vertrauen aufbauen.“