Unternehmensbereich Industrial
Interview 

Qualität ganz genau im Blick

UNTERNEHMENSBEREICH INDUSTRIAL:
Wie Röchling intern für optimale Abläufe sorgt

An den internationalen Standorten der Röchling-Gruppe soll überall derselbe hohe Qualitätsstandard gelten, auf den sich die Kunden hundertprozentig verlassen können. Johannes Mohs, Leiter des Qualitäts­managements im Unternehmensbereich Industrial der Röchling-Gruppe, ist in dieser Mission ständig unterwegs. „Er reist so viel wie Genscher“, sagen die Kollegen. Der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher galt als rastloser Reisender. Im Interview berichtet Mohs von den Anforderungen der Kunden, vor allem aber darüber, wie Röchling intern für optimale Abläufe sorgt.

Wie lässt sich die Qualität eines Herstellers von technischen Kunst­stoffen überhaupt messen? Auf was kommt es den Kunden an?
Technische Werte stehen eindeutig im Vordergrund. Allerdings wird das Thema Verlässlichkeit, zum Beispiel bei der Termineinhaltung, immer wichtiger. Hinzu kommen Kompetenz und Auftreten. Der Kunde muss spüren, dass er es mit einem Partner zu tun hat, der ihn bei der Bewältigung seiner Aufgaben aktiv unterstützen kann.

Muss man als Unternehmen heutzutage zertifiziert sein?
Ohne die ISO 9001, die im Bereich Qualität einschlägig ist, geht es nicht. Sie liefert die Grundlagen für eine systematische Arbeitsweise. Darüber hinaus kommt es aber darauf an, immer wieder die spezifischen Kundenanforderungen zu ermitteln, um nah an den Bedürfnissen und Erwartungen der Kunden dran zu sein. Neben der Qualität spielen außerdem verstärkt die Themen Umwelt, Sicherheit, Compliance und Nachhaltigkeit eine Rolle. Zudem müssen wir unter Beweis stellen, dass wir sämtliche Prozesse beherrschen, also zum Beispiel Beschaffung, Herstellung, Verpackung und Kontrolle.

Werden Sie auch von Ihren Kunden auditiert?
Das ist gang und gäbe. Viele Kunden kommen zu uns ins Haus und führen teils mehrtägige Audits nach eigenen Vorgaben durch. Sie wollen vor allem sehen, wie wir unsere Prozesse im Griff haben und uns als Lieferant qualifizieren. Denn für unsere Kunden ist es extrem wichtig, dass sie sich auf die termingerechte Lieferung einwandfreier Produkte verlassen können. Andernfalls gerät ihr eigener Produktionsprozess aus den Fugen, und das ist für einen Lieferanten ein absolutes K.-o.-Kriterium.

Wie messen Sie Röchling-intern die Qualitätsstandards?
Für uns gibt es fünf wesentliche Punkte: Wie viele Reklamationen und Ersatzleistungen haben wir, wie termintreu liefern wir, wie hoch ist die Kundenzufriedenheit, wie laufen unsere Kundenaudits und wie sieht es in Sachen Dokumentation und Rückverfolgbarkeit aus. Ganz besonders wichtig ist uns das Vertrauen, das die Kunden uns schenken, indem sie ihre Produkte von unterschiedlichen Röchling-Standorten beziehen. Das tun sie nur, wenn sie sich darauf verlassen können, dass wir von überall das gleiche Qualitätsprodukt liefern.

Helena Meyer, Auszubildende zur Verfahrens­mechanikerin Kunststoff und Kautschuk, überprüft mit einem Digitalmikroskop die Qualität eines Materialspans einer gepressten Platte.

CNC-Fräser Heinz Tieben (l.) und Frank Dickmann, Leiter Qualitätsmanagement in Haren, nutzen den Messschieber, um die Konturgenauigkeit zu bestimmen.

Wie sorgen Sie hier für eine enge Kommunikation, auch über die weltweiten Standortgrenzen hinweg?
Wir haben an nahezu jedem Standort einen Qualitätsmanagement­beauftragten. Für das Thema müssen aber grundsätzlich alle Mitarbeiter sensibilisiert sein – vom Top-Manager über den Projektleiter bis hin zum Mitarbeiter an der Produktionsanlage. Wir haben ein Qualitätsmanagementhandbuch erstellt, das unsere sämtlichen Prozesse abbildet – jeder muss sich an diese Regeln halten. Mein Team ist in engem Austausch mit den Standorten, und wir besuchen diese teilweise mehrmals im Jahr. Darüber hinaus führen wir unangemeldete interne Audits durch. Neue Richtlinien und Verfahrensanweisungen kommunizieren wir regelmäßig und systematisch. Und für spezifische Projekte werden die Mitarbeiter zusätzlich geschult.

Was müssen Mitarbeiter können, die im Qualitätsmanagement tätig sind?
Fachwissen und ein gutes Verständnis der Prozesse sind die Grund­lage. Auch eine Zulassung als Auditor ist hilfreich. Man muss Verträge, Normen, Gesetze und Richtlinien lesen, verstehen und umsetzen können. Teilweise ist das ja eine sehr trockene Materie. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter kommunikativ sein, sicher auftreten, Englisch beherrschen und eine hohe Reisebereitschaft mitbringen. Geeignete junge Mitarbeiter führen wir bereits in der Ausbildung an Qualitätsthemen heran. Wir haben junge Kollegen, die ganz selbstständig arbeiten und schon richtige Profis sind. Das ist eine klasse Truppe.