Röchling-Gruppe
Interview 

„Unsere Kundennähe wächst mit der Vielfalt in unseren Teams“

INTERVIEW
mit Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Röchling-Gruppe

Nutzen stiften, für den Kunden und alle Partner – das ist eines der wichtigsten Ziele der Röchling-Gruppe. Um dies zu erreichen, muss man als Unternehmen verstehen, vor welchen Herausforderungen der Kunde in seiner Branche steht. Erst dann lassen sich Lösungen entwickeln, die intelligent, effektiv, einzigartig, prozessverbessernd und gleichzeitig wirtschaftlich sind. Das alles setzt eine enge Partnerschaft und Nähe voraus. Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Röchling-Gruppe, erläutert im Interview, was Kundennähe für Röchling bedeutet.

Wie hat sich Röchling als Kunststoffspezialist in den vergangenen Jahren kundennah aufgestellt?
Da sind verschiedene Aspekte zu nennen. Wenn man Nähe hört, denkt man natürlich an räumliche Nachbarschaft, und wenn man dem Kunden überall nah sein möchte, dann ist man schnell beim Thema Interna­tionalisierung. Das internationale Geschäft hat bei Röchling eine lange Tradition. Unsere Wurzeln liegen im Saarland, an der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, wo Röchling vor fast 200 Jahren gegründet wurde. Schon im 19. Jahrhundert gab es Filialen und Niederlassungen in Frankreich, England, Schottland und Italien. Als Kunststoffspezialist hat Röchling in den vergangenen Jahren verstärkt die Chancen der Globalisierung genutzt und seine Internationalisierung systematisch vorangetrieben. Mittlerweile erzielen wir 60,6 Prozent unseres Umsatzes außerhalb Deutschlands, 29,6 Prozent außerhalb Europas.

Neben der Internationalisierung – welche Aspekte gehören noch zu einer kundennahen Aufstellung?
Röchling hat für alle relevanten Branchen Experten in den eigenen Reihen, die sich mit den Kunden fachlich auf Augenhöhe austauschen. Unsere Mitarbeiter wissen so ziemlich alles über den Werkstoff Kunststoff und die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten. Sie sind am Puls der Zeit, zum Beispiel auch durch engen Austausch mit Uni­versitäten und anderen Forschungseinrichtungen, und sie pflegen einen direkten und intensiven Kontakt mit den Auftraggebern. Dadurch entsteht Kundennähe. Unsere Mitarbeiter hören genau zu, sie haben ein Ohr für unsere Kunden und ein Gespür für deren Anliegen. Wichtig ist hier auch die Vielfalt unserer Teams. Unterschiedliche Nationalitäten, Kulturen und Mentalitäten sind eine Stärke von Röchling. Das fördert die Kreativität in der Lösungsfindung und schafft Nähe zu unseren internationalen Kunden.

Von welchen Überlegungen lässt sich Röchling bei der Internationa­lisierung leiten, welches sind die wichtigsten Grundsätze?
Bei unserer unternehmerischen Tätigkeit haben wir stets im Blick, auf allen wichtigen Märkten dieser Welt vertreten zu sein. Die Fachleute in unseren drei Unternehmensbereichen Industrial, Automotive und Medical verfolgen die Entwicklungen auf den weltweiten Märkten genau und wissen, wo neue Potenziale liegen. Bevor wir unsere globale Aufstellung verstärken, indem wir in einen neuen Standort, eine Werkserweiterung oder eine Unternehmensakquisition investieren, prüfen wir sämtliche Rahmenbedingungen detailliert. Wir haben uns hier in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich engagiert, von Brasilien bis nach China. Und es geht nicht nur um die Produktion. Ganz wichtig ist auch, internationale Entwicklungskapazitäten aufzubauen. Aber ganz gleich, in welchem Land wir vertreten sind: Wir binden überall mit Know-how und Kenntnisreichtum bestehende Kunden an uns und gewinnen stetig neue hinzu.

Wie wichtig sind Akquisitionen in diesem Zusammenhang?
Wir wachsen organisch, aber auch durch Zukäufe von Unternehmen, die uns technologisch weiterbringen oder neue Marktsegmente erschließen. Hier gibt es allerdings bestimmte harte Faktoren, die stimmen müssen. Der Übernahmekandidat muss zum Beispiel die Leistungs- und Produktpalette der Röchling-Gruppe sinnvoll ergänzen, in unseren Fokus und unsere Strategie passen sowie wirtschaftlich gesund sein. Gebäude und Anlagen sollten dem Stand der Technik entsprechen, und der Standort muss auch stimmen. Hinzu kommen weiche Faktoren, und die sind genauso wichtig. Die Frage ist ja: Wie gelingt die kulturelle Integration? Wie nimmt man die Mitarbeiter mit? Wir haben hier sehr gute Erfahrungen mit inhabergeführten Unternehmen gemacht, die in Nischen tätig sind und über eine schlanke Struktur verfügen. Sie haben meistens eine sehr ähnliche Mentalität und Kultur wie wir. Wenn man eine solche Passung, einen Fit hat, erleichtert das die Integration enorm. Für den Erfolg unserer Gruppe ist das ein bedeutender Faktor.